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Ringeltanz

15.06.2005

Ringeltanz

Je länger, desto mehr versalzen die Automobilhersteller den Tunern die Suppe. Werksseitig programmierte Sperren der Steuergeräte sind von den PS-Zauberern immer schwerer zu knacken, wollen sie ihren Derivaten mit mehr Leistung auf die Sprünge helfen.
Sportec und Topcar erwiesen sich als erfolgreich. Die Herren der Ringe haben der Motorenelektronik des direkteingespritzten 2.0 T FSI ein Schnippchen geschlagen. Eine geänderte Motorsteuerung und der auf Sportec-Spezifikationen ausgerichtete Lader lassen dem Turbo-Benziner des Sportec- Sportback von 200 PS auf imposante 280 PS und 420 Nm bei 2500/min erstarken. Entsprechend kraftvoll und bissig geht er zur Sache, allerdings erst nach einem kleinen Turboloch, während dem der zur Serie grössere Lader den nötigen Druck aufbaut. Mit der anfangs ungewohnten Schaltwegverkürzung (30%) hat man sich schnell angefreundet, danach möchte man sie wegen der kurzen, knackigen Schaltwege nicht mehr missen. Nicht zuletzt dank ihr geht es mit mächtigem Schub in rasanten 6,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 km/h, der Kilometer ist nach 26,9 Sekunden durcheilt.

Werte, bei denen der Topcar-Audi das Nachsehen hat. Sein mittels MTM-Steuergerät auf 250 PS und 363 Nm erstarkter Zweiliter beschleunigt den A3 in 6,9 Sekunden auf Tempo 100, die 1000-Meter-Marke ist nach 27,3 Sekunden erreicht. Damit ist der Topcar- Audi jedoch keinesfalls schlechter als der von Sportec. Seine Stärken liegen vielmehr in einer lineareren Kraftentfaltung.
Unsere Messungen beweisen, dass er speziell im oberen Drehzahl- und Geschwindigkeitsbereich dem A3 von Sportec fast ebenbürtig ist. So trennen die beiden Probanden von 0 bis 160 km/h nur ein Zehntelsekunde. Bei den Zwischenspurts beweist der Topcar- A3, dass er sogar der Bessere ist. Von 40 bis 80 km/h im fünften und im sechsten Gang nimmt er dem Sportec-Audi bis zu 2,2 Sekunden ab. Von 80 bis 120 km/h trennen die beiden getunten Ingolstädter drei (5. Gang) beziehungsweise eine Zehntelsekunde (6. Gang).
Kurz gesagt: Der zurückhaltender getunte Vierzylinder von Topcar verrichtet seine Arbeit zwar unauffälliger, doch wirkt er dabei etwas ausgewogener als der von Sportec. Letzterer verliert Fahrkomfort durch den brutaler einsetzenden Turbolader. Geht es um das Fahrverhalten, ist der Topcar-Sportback jedoch spürbar vom Sportec entfernt. Der wiederum fragt ob des sehr direkten Ansprechverhaltens der Lenkung nach kundiger Hand. Mittels Schraubenfedern mit spezieller Sportec-Kennlinie, die den Ingolstädter 30 Millimeter näher am Asphalt kauern lassen, haben es die Mannen um Ueli Hodel einmal mehr verstanden, dem Fahrwerk ihres Allradlers eine sportliche Note zu verpassen, die in gutem Konsens mit der Motorleistung und der Lenkung steht. Eine gesunde, aber keinesfalls unkomfortable Härte steht dabei im Vordergrund. Getreu der Devise, der Mensch denkt, der Sportec- Audi lenkt, gewinnt man den Eindruck, der Audi folge wie von Geisterhand den Gedanken seines Lenkers. Die werksseitige, geringe Tendenz zum Untersteuern wurde nochmals reduziert, wodurch sich der physikalische Grenzbereich deutlich erhöht. So ist es eine wahre Freude, den Burschen durch Kurven zu jagen. Mit seinem, gegenüber dem Topcar-Audi flacheren und breiteren Sporträderwerk (235/35er auf 19-Zöllern) baut er beim Kurventanz noch mehr Grip auf. Besondere Aufmerksamkeit ist allerdings bei Fahrbahnrillen gefordert. Aufgrund der breiteren Bereifung neigt er dazu, jeder Spur wie auf Schienen nachzulaufen. Tadellos gesittet verhält sich diesbezüglich der A3 von Topcar. Eigens für dieses Modell entwickelte Topcar/Eibach-Sportfedern senken die Karosserie um 20 mm ab. Das genügt allerdings nicht, um die Agilität des Sportec-A3 zu erreichen. Vielmehr ist der Allradler aus dem Berner Oberland ein gelungener Kompromiss zwischen dem Serienmodell und dem Audi von Sportec. Auch er weiss durch seine sportlich straffe Abstimmung zu überzeugen, hinkt aber punkto möglicher Querbeschleunigung ein Stück hinter dem Ingolstädter aus der Sportec- Schmiede her. Der Fahrspass leidet darunter aber keinesfalls.

Gutmütig untersteuernd kündigt er im ebenfalls hoch angesiedelten Grenzbereich das Erreichen der physikalischen Grenzen an und ist gerade für Ungeübte insgesamt doch eine Spur einfacher zu beherrschen als der Sportec. Schade nur, dass man bei Letzterem nach wie vor auf die serienmässige ( von Haus aus nicht sehr standfeste ) Audi-Bremse vertraut. Ein Grund mehr, warum Sportec in der Disziplin Bremswegmessung das Nachsehen gegenüber dem Audi von Ruedi Joest hat. Runtergebremst von 100 auf 0 km/h steht der Sportec-Audi anfangs nach 40 Metern, mit heissen Bremsen nach 43 Metern. Dass da mit einer kräftigen Sportbremse nachhaltig mehr drin liegt, beweist der Topcar-Audi. Durch das Verbauen Pizza-grosser, gelochter Bremsscheiben (d= 34 cm) sowie Vierkolbenzangen an der Vorderachse und rundum Stahlflexleitungen haben die Energievernichter beim Topcar-Modell an Standfestigkeit deutlich gewonnen. Das Resultat kann sich sehen lassen. Der Bremsweg bleibt konstant zwischen 39 und 40 Metern und das auch nach der zehnten Vollbremsung.

Verbrauchsseitig waren bei beiden Sportback keine Ausreisser feststellbar. Damit belegen die Getunten einmal mehr, dass ihr Durst trotz Leistungs- und Drehmomentsteigerung sowie breiterer Bereifung im Rahmen bleibt. Zum Teil liessen sich die im Test (ai 1/05) mit dem Serienmodell erfahrenen Werte (Min./Max. 7,2/13,2 l/100 km, Durchschnitt 9,9 l/100 km) sogar unterbieten. So genehmigte sich der Audi von Sportec im Schnitt 10,8 Liter (Min./Max. 8,8/12,7 l/100 km), der von Topcar 10,7 Liter (Min./Max. 8,7/11,7 l/100 km).

Eines ist beiden Ring-Gesellen gewiss. Sie bieten sportlichen Fahrspass auf hohem Niveau. Jetzt entscheidet nebst dem Geschmack der sportliche Anspruch. FAZIT Sportlicher Fahrspass steht bei beiden getunten Audi A3 Sportback im Vordergrund. Derjenige von Sportec ist kompromissloser und mit seinen breiteren Reifen optimal für den geübten Sportfahrer. Wer es etwas ausgewogener wünscht, wird sich für das Package von Topcar entscheiden.

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung der Auto Illustrierte Schweiz