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Kabel 1 - Sportec SP580 Vergleichsbericht 05/2007

14.05.2007

Kabel 1 - Sportec SP580 Vergleichsbericht 05/2007

Lesen Sie hier den Bericht, oder lassen Sie sich von den faszinierenden Bildern beeindrucken. Sehen Sie den Bericht als Video.

Der Bericht: 

911 Turbo-Tuning: 9ff TR-63 und Sportec SP580

Natürlich könnten wir über den Verbrauch philosophieren. Auch Platzverhältnisse könnten ein Thema sein – doch im Ernst. Bei einem Vergleich Sportec SP580 gegen 9ff TR-63 zählt vor allem eins - wer ist der Schnellere. 

Sportec SP580
Der erste Anwärter kommt von 9ff aus Dortmund. Im Vergleich zum Basis-Porsche 911 Turbo bleiben Hubraum und Zylinderzahl unverändert. Die Leistung klettert auf 630 Pferdestärken, der Preis auf knapp 208.000 Euro. Das sind rund 70.000 Euro mehr als für den Serienturbo. Allein das Motortuning schlägt mit rund 32.000 Euro zu Buche. Größere Turbolader, schärfere Nockenwellen und eine wild röhrende Auspuffanlage mit Fächerkrümmer sorgen für 150 zusätzliche PS.

9ff TR-63
Auch der in Zürich ansässige Tuningspezialist Sportec kitzelt aus dem Porsche 911 Turbo mehr Power. Beim SP580 leistet der 3,6 Liter Sechszylinder jetzt 580 PS. Der Preis des Testwagens: knapp 200.000 Euro – rund 8.000 Euro weniger als der 9ff. Die Schweizer setzen ebenfalls auf größere Turbolader und andere Nockenwellen. Hinzu kommen ein geänderter Ansaugtrakt und eine hauseigene Abgasanlage. Die Kosten: 20.611 Euro.
 
Beim Beschleunigungstest erleben wir ein Höllenspektakel. In nur 3,35 Sekunden fliegt der Sportec auf Hundert km/h – Bestwert. Tempo 200 liegt nach 10,28 Sekunden an. Auch die 338 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ein Wort. Beim Hundertersprint noch um 2 Hundertstel unterlegen, zieht der 9ff ab 200 Sachen knapp an seinem Kontrahenten vorbei. Mit 10,25 Sekunden distanziert er ihn um 3 Hundertstel. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt wahnwitzige 343 km/h. Von Hundert auf Null kommt der 9ff nach guten 36,7 Meter zum Stillstand. Der Sportec braucht happige 2einhalb Meter mehr. Ganz gleich, wo man aufschlägt. Mit diesen Boliden ist Interesse garantiert.
 
Knallbonbon für den Alltag: der 9ff sieht nicht nur nach Rennsport aus: dreiteilige Schmiedefelgen mit Zentralverschluss, ein in Zug- und Druckstufe verstellbares Sportfahrwerk, dazu ein Renngetriebe – alles Komponenten, die jedem Langstreckenrenner gut zu Gesicht stünden. Wer dieses Ambiente genießen möchte: 63.274 Euro kostet der komplette Umbau. 

Im Alltag wirkt der 9ff kompromisslos, aber nicht unfahrbar. Der Antriebsstrang rasselt zwar und die Karosserie stöhnt wegen des bockharten Rennfahrwerks. Doch das alles wird zur Nebensache - bei diesem Sound. Allerdings sollte man seine sieben Sinne stets beisammen haben. Schon ein kurzer Gasstoß reicht, und der Führerschein ist in höchster Gefahr.
 
Weniger extravagant, aber auch weniger protzig ist der Sportec SP580. Einzig die 20 Zoll-Walzen und der große Heckspoiler deuten auf die brutale Motorleistung hin. Die Einlässe in den Spoilerholmen decken den erhöhten Luftbedarf der größeren Turbolader. Auf Landstraßen gibt’s sich der Sportec vergleichsweise kommod. Unebenheiten werden zumindest teilweise weggefedert. 

Wegen des weicheren Fahrwerks setzt der SP 580 dafür viel öfter mit der Frontlippe auf. Knarz- und Stöhngeräusche gibt es hier keine. Dafür stört ab 220 km/h heftiges Windrauschen. Unter Volllast überrascht der Motor zudem mit plötzlichen Laderaussetzern. Auch Sportec belässt innen alles beim Serientrimm. Und das ist gut so. Inakzeptabel sind die ständig leuchtenden Warnhinweise. Laut Sportec soll es sich aber nur um eine nicht durchgeführte Justierung handeln. Auf dem Handlingkurs gefällt das harmonisch abgestimmte Fahrwerk. Willig lenkt der Sportec in die Kurve. 

Der Turbobums setzt zwar heftig aber nicht unkontrollierbar ein. Nach wenigen Runden haben wir den SP580 im Griff. Die feinfühlige Lenkung gibt viel Feedback. Zudem rollt der Sportec leicht um die Längsachse und gibt dem Piloten so zusätzlich Rückmeldung über den Fahrzustand. Damit bleibt er selbst im Grenzbereich stressfrei und verzeiht auch übermäßigen Gaseinsatz. Deutlich biestiger gibt sich der TR-63 von 9ff? Wie angestochen rennt er los. Da gilt es, vor der nächsten Kurve rechtzeitig den Anker zu werfen. Dann lenkt der 9ff nicht so direkt ein – der Pilot kämpf ständig mit Untersteuern. Setzt nach einem Gasstoß dann noch der Turbo ein, ist das Fahrzeug nur schwer zu kontrollieren. Der 9ff ist ein High-Speed Racer, abgestimmt für einsame Autobahngeraden und weniger für einen engen Handlingkurs. Auf dem Contidrom muss er sich deshalb vom Sportec schlagen lassen – beim Fahrspaß und beim Speed. 

Fazit:
Der radikale 9ff TR-63 ist der Dampfhammer, abgestimmt um maximal schnell geradeaus zu fahren. Das Handling auf engen Kursen bleibt dabei etwas auf der Strecke. Fahrkomfort sollte man nicht erwarten. Der Sportec SP 580 ist zwar weniger extravagant, bietet dafür aber das feinfühligere Handling und immerhin Restkomfort. Und wirklich langsamer ist er auch nicht. Allerdings enttäuscht die schwache Bremsleistung. Natürlich sind diese Boliden vor allem Geschmackssache. Zumal man sie individuell gestalten kann. Nimmt man unsere Testwagen als Maßstab, bleibt dem konsequent auf Sport getrimmten 9ff nur Platz zwei. Trotz mehr Pferdestärken kann er den Sportec selbst bei den Fahrleistungen nicht ernsthaft distanzieren.